Blazer: WM-Vergaben für 1998 und 2010 waren bestochen

Wer dachte, dass die FIFA nach der Rücktrittsankündigung von Präsident Sepp Blatter zur Ruhe kommen würde, sah sich getäuscht. In einem kuriosen Auftritt kündigte der Skandal umwitterte Jack Warner weitere Bestechungsenthüllungen an, allerdings ohne ins Detail zu gehen. Allerdings drohte er Blatter direkt. Derzeit aber noch schlimmer für den Weltverband war das, was Chuck Blazer den Medien zu sagen hatte. Der US-Amerikaner, der schon lange als korrupt entlarvt ist, war über Jahre Mitglied im Exekutivkomitee der FIFA. Dieses Organ vergibt die Weltmeisterschaften. Und Blazer bestätigte zum ersten Mal, was im Prinzip jeder weiß: Die Vergabe der Turniere läuft nicht sauber, sondern ist das Ergebnis von Bestechung. Allerdings bezog sich Blazer nicht auf die Endrunden in Russland (2018) und Kater (2022).

Blazer: Vergaben an Frankreich und Südafrika waren geschmiert
Laut des Amerikaners waren die Vergaben an Frankreich (1998) und Südafrika (2010) das Ergebnis von Bestechungszahlungen.

Die vorletzte WM stand schon lange unter Verdacht. Neu auf dem Zettel ist die Endrunde 1998, die bislang als unverfänglich galt. Die Bestechungen liefen offenbar über fingierte Fußballprogramme, so Blazer. Im Rahmen der WM-Vergabe 2010 sollen Südafrikaner so zehn Millionen US-Dollar an ein angebliches Entwicklungswerk in der Karibik gespendet haben. Das Geld landete wenig überraschend in den Taschen der Entscheider.

Interessant sind auch die weiteren Aussagen: Laut Blazer war wohl allen Kandidaten stets klar, dass ohne Korruption nichts läuft. Tatsächlich soll es ein regelrechtes Wettbieten gegeben haben. Für die WM 1998 habe es beispielsweise ein Angebot aus Marokko gegeben, das allerdings zu niedrig gewesen sei, so Blazer. 2010 hätten Funktionäre aus Marokko ähnliches versucht. Der US-Amerikaner erklärte zudem, dass er mit Warner und einem dritten Mitverschwörer, den er namentlich nicht nannte, zusammengearbeitet habe.

Wie glaubwürdig ist Blazer?
Wie glaubwürdig ist aber ein Mann wie der Amerikaner, der seine eigene Moral gegen Geld an der Tür abgibt? Final wird sich diese Frage nicht beantworten lassen, allerdings konnte die US-Justiz die zehn Millionen US-Dollar aus Südafrika tatsächlich ausfindig machen. Brisanter Weise gingen diese auch über ein FIFA-Konto. Und über jenes wacht in letzter Instanz Blatter.

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